Menschenrechtslage kurdischer Bürgerinnen und Bürger im Iran
Erstes Halbjahr 2026

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Ein umfassender Bericht über die Lage der Menschenrechte kurdischer Bürgerinnen und Bürger im Iran im ersten Halbjahr 2026 dokumentiert zunehmende systematische Gewalt und Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Institutionen.
Den dokumentierten Zahlen zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 folgende Fälle registriert:
- Hinrichtung von 46 kurdischen Gefangenen, darunter 8 politische Gefangene
- Tötung von 290 kurdischen Zivilpersonen im Zusammenhang mit den Protesten im Dey-Monat (Dezember/Januar)
- Tötung von 23 Kindern und 24 kurdischen Frauen während der Proteste im Dey-Monat
- Tötung von 5 kurdischen Zivilpersonen durch Schüsse staatlicher Kräfte
- Tötung und Verletzung von mindestens 6 Kolbar (Grenzträgern)
- Verhängung der Todesstrafe gegen 6 politische kurdische Gefangene
- Verhängung von Freiheitsstrafen von insgesamt 106 Jahren, 3 Monaten und 17 Tagen gegen 27 kurdische Bürgerinnen und Bürger
- Verhängung von insgesamt 275 Peitschenhieben gegen 4 kurdische Aktivistinnen und Aktivisten, darunter eine Frau
- Festnahme von mehr als 10.000 kurdischen Bürgerinnen und Bürgern; 861 Personen wurden identifiziert
- Festnahme von mindestens 71 kurdischen Kindern unter 18 Jahren
- Festnahme von mindestens 69 kurdischen Frauen
- Registrierung von 3 Minenopfern, darunter ein 13-jähriges Kind
- Registrierung von 3 Femiziden
Hinrichtung von mindestens 46 kurdischen Gefangenen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026
Den vorliegenden Aufzeichnungen zufolge wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 mindestens 46 kurdische Gefangene in verschiedenen Gefängnissen Irans hingerichtet. Allein in den letzten zwei Monaten dieses Zeitraums wurden 36 kurdische Gefangene hingerichtet. Das entspricht 12 % aller Hinrichtungen in den vergangenen sechs Monaten. Landesweit wurden in diesem Zeitraum insgesamt 385 Gefangene hingerichtet.
In den vergangenen sechs Monaten wurden im Iran mindestens 48 politische und religiöse Gefangene hingerichtet. Acht von ihnen (17 %) waren politische kurdische Gefangene. Ihre Namen sind:
Naser Bekrzadeh (aus Urmia), Mehrab Abdollahzadeh (aus Urmia), Ramin Zelleh (aus Naqadeh), Karim Maroofpour (aus Naqadeh), Ashkan Maleki (aus Qorveh), Mehrdad Mohammadinia (aus Qorveh), Arsalan Sheikhi (aus Sardasht) und Amanj Karwanchi (aus Sardasht).
Weitere Angaben zu den Vorwürfen, die den Hinrichtungen vorausgingen
- Politische oder religiöse Vorwürfe sowie Spionage: 8 Gefangene
- Vorwurf des vorsätzlichen Mordes: 24 Gefangene
- Vorwürfe im Zusammenhang mit Drogendelikten: 10 Gefangene
- Vorwurf der Vergewaltigung oder Sodomie: 2 Gefangene
Aufschlüsselung der hingerichteten Gefangenen nach Provinz
- Provinz Kermanschah: 16 Fälle
- Provinz West-Aserbaidschan (Urmia): 13 Fälle
- Provinz Kurdistan (Sanandaj): 11 Fälle
- Provinzen Razavi-Chorasan, Lorestan und Nord-Chorasan: jeweils 2 Fälle
Tötung von 290 kurdischen Bürgerinnen und Bürgern im Zusammenhang mit den Protesten im Dey-Monat
Fast sechs Monate nach den Protesten im Dey-Monat 1404 konnten die vollständigen Identitäten von 290 kurdischen Bürgerinnen und Bürgern festgestellt werden, die im Zusammenhang mit diesen Protesten getötet wurden. Zwei starben nach ihrer Festnahme infolge von Folter, zwei wurden nach ihrer Festnahme hingerichtet, zwei wurden nach vier Monaten im Versteck angegriffen und getötet, und 284 Menschen wurden während der Proteste durch direkte Schüsse staatlicher Kräfte getötet.
Kurzüberblick zu den Todesopfern
- Mindestens 23 kurdische Kinder unter 18 Jahren wurden getötet, darunter 4 Mädchen.
- Mindestens 24 kurdische Frauen wurden während der Proteste getötet.
- Mindestens 11 kurdische Studierende wurden getötet, darunter 4 Frauen.
- Mindestens 3 Lehrkräfte und Hochschuldozenten wurden getötet.
Aufschlüsselung der getöteten kurdischen Bürgerinnen und Bürger nach Provinz des Todesortes
- Provinz Teheran: 92 Fälle
- Provinz Kermanschah: 89 Fälle
- Provinz Alborz: 36 Fälle
- Provinz Razavi-Chorasan: 24 Fälle
- Provinz Ilam: 11 Fälle
- Provinz Nord-Chorasan: 10 Fälle
- Provinz Gilan: 7 Fälle
- Provinz Qazvin: 6 Fälle
- Provinz Lorestan: 4 Fälle
- Provinz Hormozgan: 3 Fälle
- Provinzen Kurdistan (Sanandaj), Markazi und Isfahan: jeweils 2 Fälle
- Provinzen Mazandaran und Chuzestan: jeweils 1 Fall
Tötung von 5 Zivilpersonen durch Schüsse staatlicher Kräfte
Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden mindestens fünf kurdische Bürger in den Städten Sanandaj, Bijar und Dalahu durch direkte Schüsse staatlicher Kräfte getötet. Drei der Todesopfer wurden während des 40-tägigen Krieges in Sanandaj und Bijar durch direkte Schüsse staatlicher Kräfte getötet. Zwei kurdische Brüder aus der Yarsan-Glaubensgemeinschaft, Meysam Veisi und Mojtaba Veisi, mussten nach den Protesten im Dey-Monat des vergangenen Jahres in Kermanschah untertauchen. Vier Monate später wurden sie bei einem Angriff staatlicher Kräfte auf ihr Versteck im Landkreis Dalahu getötet.
861 festgenommene kurdische Bürgerinnen und Bürger identifiziert
Den Daten zufolge nahmen staatliche Organe der Islamischen Republik Iran im ersten Halbjahr 2026 mindestens 10.000 kurdische Bürgerinnen und Bürger fest. Trotz Internetblockaden und Einschränkungen der Kommunikation konnten bislang die Identitäten von 861 dieser Personen bestätigt werden.
Kurzüberblick zu den Festgenommenen
- Mindestens 71 kurdische Kinder unter 18 Jahren wurden festgenommen, darunter 6 Mädchen.
- Mindestens 69 kurdische Frauen wurden in den vergangenen sechs Monaten festgenommen.
- Mindestens 11 kurdische Studierende wurden festgenommen.
- Mindestens 10 Lehrkräfte und Hochschuldozenten wurden festgenommen.
Aufschlüsselung der Festnahmen nach Provinz
- Provinz Ilam: 281 Festnahmen
- Provinz Kermanschah: 179 Festnahmen
- Provinz Kurdistan (Sanandaj): 159 Festnahmen
- Provinz West-Aserbaidschan (Urmia): 139 Festnahmen
- Provinz Nord-Chorasan: 38 Festnahmen
- Provinz Hamadan: 35 Festnahmen
- Provinz Razavi-Chorasan: 27 Festnahmen
- Provinz Lorestan: 3 Festnahmen
Harte Strafen: Todesurteile, Haft und Auspeitschung gegen politische und zivilgesellschaftliche kurdische Aktivistinnen und Aktivisten
In den vergangenen sechs Monaten verurteilte die Justiz der Islamischen Republik Iran mindestens 33 kurdische Bürgerinnen und Bürger zu Strafen wie der Todesstrafe, Freiheitsstrafen und Auspeitschung.
Mindestens 6 kurdische Bürger wurden zum Tode verurteilt. Arman Marefati aus Saqqez sowie Ashkan Maleki und Mehrdad Mohammadinia aus Qorveh waren während der Proteste im Dey-Monat des vergangenen Jahres in Teheran festgenommen und zum Tode verurteilt worden. Die Urteile gegen Ashkan und Mehrdad wurden bereits vollstreckt.
Auch drei Bürger aus Boukan – Mohsen Eslamkhah, Mohammad Faraji und Raouf Sheikh-Maroufi – wurden zum Tode verurteilt. Sie waren während der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ festgenommen worden.
Weitere 27 kurdische Bürgerinnen und Bürger verurteilte die Justiz der Islamischen Republik Iran zu insgesamt 106 Jahren, 3 Monaten und 17 Tagen unbedingter Freiheitsstrafe.
Vier dieser Personen, darunter eine Frau, wurden zusätzlich zu insgesamt 275 Peitschenhieben verurteilt.
Opfer von Minenexplosionen im ersten Halbjahr 2026
Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden mindestens 3 kurdische Bürgerinnen und Bürger, darunter ein Kind, Opfer von Explosionen durch Minen, die aus dem achtjährigen Iran-Irak-Krieg zurückgeblieben waren, oder durch neu verlegte Minen der Revolutionsgarden (IRGC). Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.
Der 13-jährige Rahim Hamidi in Dehloran und der 21-jährige Peyman Rahmanpour in Saqqez starben durch Minenexplosionen. Eine weitere Person wurde in Sarvabad verletzt.
Tötung und Verletzung von 6 Kolbar im ersten Halbjahr 2026
In den vergangenen sechs Monaten wurden mindestens 6 kurdische Kolbar, die in den Grenzregionen Kurdistans Lasten transportierten, durch direkte Schüsse staatlicher Kräfte verletzt oder getötet. Zwei Kolbar kamen ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
Alle sechs Kolbar wurden durch direkte Schüsse staatlicher Kräfte getötet oder verletzt. Vier Fälle wurden an den Grenzen der Provinz Kurdistan (Sanandaj), zwei an den Grenzen der Provinz West-Aserbaidschan (Urmia) registriert.
Registrierung von 3 Femiziden im ersten Halbjahr 2026
Im ersten Halbjahr 2026 wurden mindestens 3 Morde an kurdischen Frauen durch Angehörige in den Städten Sanandaj, Qotour und Shot registriert.
Das entspricht 6,5 % aller im Iran in diesem Zeitraum erfassten Femizide. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden landesweit mindestens 46 Femizide in verschiedenen Städten dokumentiert.
Weiterführende Informationen: Menschenrechtsarbeit · Frauenrechte und Schutz · Aktuelle Nachrichten
Ergänzende dokumentierte Fälle
Die folgenden Meldungen betreffen weitere Personen aus verschiedenen Regionen Irans. Sie ergänzen den Bericht um öffentlich dokumentierte Fälle von zu Haftstrafen verurteilten Jugendlichen sowie Lehrkräften und sind nicht auf die kurdische Bevölkerung beschränkt. Die Namen führen jeweils zu dem Bericht, in dem die Fälle zusammengefasst wurden.
Jugendliche
- Amirali Ghajari — Qazvin: 3 Jahre Haft.
- Saeed Baghcheghi — Bojnurd: 2 Jahre und 4 Monate Haft.
- Payam Hosseini — Kamiyaran: 1 Jahr Haft; 5 Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
- Yasin Sarfaraz — Bojnurd: 3 Jahre Haft.
- Zeinab Izanlou — Bojnurd: 6 Monate und 15 Tage Haft.
- Benyamin Vahidi — Bojnurd: 2 Jahre Haft.
- Nazanin Zahra Mousavi — Sabzevar: 1 Jahr und 6 Monate zur Bewährung ausgesetzt.
- Amir Baloch — Sarbas: 10 Jahre und 6 Monate Haft.
Lehrkräfte und weitere Personen
- Jaleh Rouhzad — Teheran: 8 Monate Haft.
- Arman Shahpouri-Kho — Izeh: 2 Jahre Haft.
- Keyumars Vaezi — Sonqor: 5 Jahre Haft.
- Amir Rahimi — Azna: 4 Jahre Haft.
- Mehdi Fathi — Schiras: 1 Jahr und 3 Monate Haft.
- Kowkab Bedaghi-Pegah — Izeh: 1 Jahr Haft.
- Ahmad Alizadeh — Abdanan: 2 Jahre Haft.
- Aria Norani — Maneh und Samalqan: 1 Jahr und 2 Monate Haft.
- Reza Moslemi — Hamadan: 4 Jahre, 1 Monat und 17 Tage Haft.
- Azadeh Saleki — Torbat-e Heydarieh: 5 Jahre Haft.
- Shokrollah Ahmadi — Mamasani: 3 Jahre, 7 Monate und 15 Tage Haft.
- Bahram Yaghubi — Tabriz: 8 Monate Haft.
- Javad Safari — Zanjan: 2 Jahre und 7 Monate Haft.
- Masoud Farhikhteh — Karaj: 1 Jahr Haft.
- Forough Khosravi — Behbahan: 15 Jahre Haft.
- Mohammad Hossein Davoudi — Miandoab: 3 Jahre und 4 Monate Haft sowie 74 Peitschenhiebe.
Hinweis: Die Angaben zu Urteilen entsprechen den jeweils verlinkten Veröffentlichungen; spätere Änderungen oder abweichende Angaben in anderen Berichten sind möglich.
