Zusätzliche fünf Jahre Haft für Ali Younesi bestätigt

Ali Younesi mit zwei Angehörigen

Zum Beginn des neuen Hochschuljahres hat ein Berufungsgericht in der Provinz Teheran eine zusätzliche fünfjährige Haftstrafe gegen Ali Younesi bestätigt. Der Informatikstudent der Sharif University of Technology und internationale Olympiademedaillengewinner befindet sich seit April 2020 in Haft. Das bestätigte Urteil war zuvor von Abteilung 29 des Revolutionsgerichts in Teheran verhängt worden.

Die Entscheidung wurde am 27. September 2026 öffentlich bekannt. Sie fällt in eine Phase, in der Younesi und sein Mitangeklagter Amirhossein Moradi nach der bislang vollstreckbaren Haftzeit von sechs Jahren und acht Monaten voraussichtlich im Dezember 2026 hätten freikommen können. Die neue Strafe versperrt Younesi nun erneut die Aussicht auf Freiheit.

Weitere Verfahren kurz vor dem erwarteten Haftende

Bereits im August 2025 waren Younesi und Moradi in einem weiteren Verfahren jeweils zu 15 Monaten Haft wegen „Propaganda gegen das System“ verurteilt worden. Gegen Younesi wurde darüber hinaus eine fünfjährige Haftstrafe wegen des Vorwurfs verhängt, er habe Israel „bestätigt und gestärkt“. Als Ort der Vollstreckung dieser Strafe wurde Berichten zufolge das Gefängnis in Kerman bestimmt.

Die Bestätigung des Fünfjahresurteils durch das Berufungsgericht lässt die Sorge wachsen, dass neue Strafverfahren gegen politische Gefangene gezielt eingesetzt werden, um ihre Freilassung kurz vor dem Ende einer bestehenden Haftzeit zu verhindern.

Porträt von Ali Younesi

Festnahme und langjährige Inhaftierung

Ali Younesi und Amirhossein Moradi wurden am 10. April 2020 festgenommen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen erfolgte die Festnahme ohne Vorlage eines richterlichen Beschlusses und unter Gewaltanwendung. Anschließend wurden beide in die Sicherheitsabteilung 209 des Evin-Gefängnisses gebracht.

Dort waren sie über lange Zeit Verhören, Isolationshaft und erheblichem Druck ausgesetzt. Menschenrechtsorganisationen berichteten über den Versuch, erzwungene „Geständnisse“ zu erlangen. Erst nach 808 Tagen wurden sie aus der Sicherheitsabteilung verlegt.

Wissenschaftliche Leistungen

  • Ali Younesi gewann 2018 bei der Internationalen Olympiade für Astronomie und Astrophysik in China eine Goldmedaille. Zuvor hatte er bei der nationalen Astronomie-Olympiade eine Silbermedaille erhalten.
  • Amirhossein Moradi ist Physikstudent der Sharif University of Technology und gewann 2017 eine Silbermedaille bei der nationalen Astronomie-Olympiade.

Das ursprüngliche Urteil

Am 25. April 2022 wurden die Anwälte darüber informiert, dass das Revolutionsgericht beide Studenten zu insgesamt jeweils 16 Jahren Haft verurteilt hatte. Berichten zufolge setzte sich das Urteil aus zehn Jahren wegen „Zerstörung und Brandstiftung an öffentlichem Eigentum“, fünf Jahren wegen „Versammlung und Kollusion gegen die nationale Sicherheit“ und einem Jahr wegen „Propaganda gegen das System“ zusammen.

Nach späteren Rechtsmitteln wurde die vollstreckbare Haftzeit auf sechs Jahre und acht Monate reduziert. Ungeachtet dessen blieben Younesi und Moradi mehr als sechs Jahre ohne regulären Hafturlaub inhaftiert.

Kritik und Forderung nach Freilassung

Menschenrechtsorganisationen, akademische Netzwerke und Studierendenvereinigungen haben wiederholt die sofortige und bedingungslose Freilassung der beiden Studenten gefordert. Sie verweisen auf Berichte über Gewalt bei der Festnahme, lange Isolationshaft, erzwungene Aussagen und erhebliche Defizite beim Recht auf ein faires Verfahren.

Die Bestätigung der zusätzlichen Haftstrafe verstärkt die Sorge um die systematische Verfolgung von Studierenden, Wissenschaftlern und politischen Gefangenen im Iran. Verein für Nothilfe e.V. fordert die Aufhebung der neuen Strafe, ein unabhängiges und faires Verfahren sowie die unverzügliche Freilassung von Ali Younesi und Amirhossein Moradi.

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Die Angaben zu den Verfahren beruhen auf veröffentlichten Medien- und Menschenrechtsberichten. Vollständige Urteilstexte und die Begründung des Berufungsgerichts sind öffentlich nicht zugänglich.

Weiterführende Informationen: Euronews, Scholars at Risk, Iran Human Rights