Alireza Sepahi und Alireza Raisi in Isfahan hingerichtet

Alireza Sepahi Badjani und Alireza Raisi Hassan Hendouyi, zwei im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026 zum Tode verurteilte Männer, wurden am 5. Oktober 2026 im Zentralgefängnis von Isfahan, auch Dastgerd-Gefängnis genannt, hingerichtet.

Beide gehörten zu den Angeklagten im sogenannten Fall „Alikhani-Platz“ in Isfahan. Seit dem 19. Juli 2026 wurden in diesem Verfahren sieben Menschen hingerichtet, darunter zwei afghanische Staatsangehörige. Menschenrechtsorganisationen berichten von schweren Verletzungen rechtsstaatlicher Mindeststandards sowie von körperlicher, sexualisierter und psychischer Folter zur Erzwingung selbstbelastender Aussagen.

Zwei Porträts von Alireza Raisi

Hinrichtungen am 5. Oktober 2026

Nach Angaben der Anwälte von Alireza Sepahi wurde der 25-Jährige am 5. Oktober im Zentralgefängnis von Isfahan hingerichtet. Nach Informationen der Organisation Iran Human Rights wurde am selben Tag und im selben Gefängnis auch der 21-jährige Alireza Raisi hingerichtet.

Bereits am 4. Oktober 2026 hatte Sepahis Anwältin öffentlich mitgeteilt, dass seine Familie zum Gefängnis bestellt worden sei. Die der iranischen Justiz nahestehende Nachrichtenagentur Mizan bestätigte die Vollstreckung später.

Vorwürfe und Verfahren

Nach Darstellung der Justiz waren die beiden Männer unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer als „Baghi“ bezeichneten bewaffneten Gruppierung, „Feindschaft gegen Gott“ durch den Einsatz einer Waffe, „Korruption auf Erden“, Handlungen gegen die nationale Sicherheit sowie Anstiftung zu Krieg und Tötung zum Tode verurteilt worden. Diese Darstellung stammt von den Behörden; unabhängige Menschenrechtsberichte stellen dagegen die Fairness des Verfahrens und die Verwertbarkeit der unter mutmaßlicher Folter erlangten Aussagen infrage.

Sepahi und Raisi waren nach den Protesten vom 8. Januar 2026 auf dem Alikhani-Platz in Isfahan festgenommen worden. Die iranischen Behörden erklärten, bei den Protesten seien vier Polizeibeamte getötet worden. Nach Angaben informierter Quellen wurden im Zusammenhang mit diesem Verfahren 62 Personen festgenommen und mindestens zwölf zum Tode verurteilt.

Fünf frühere Hinrichtungen in demselben Verfahren

Vor ihnen waren bereits fünf weitere Angeklagte hingerichtet worden:

  • Erfan Esfandiari und Gol Mohammad Mohammadi wurden am 19. Juli 2026 im Zentralgefängnis von Isfahan hingerichtet.
  • Abolfazl Sepahi Badjani, ein Cousin von Alireza Sepahi, und Amirhossein Safari Hosseinabadi wurden am 28. Juli 2026 öffentlich auf dem Alikhani-Platz gehängt.
  • Ghaem Hosseini wurde am 20. August 2026 im Gefängnis hingerichtet.
Porträt von Alireza Raisi

Gestoppte Hinrichtung und abgelehntes Wiederaufnahmeverfahren

Alireza Sepahi sollte bereits am 28. Juli 2026 öffentlich hingerichtet werden. Die Vollstreckung wurde damals abgebrochen, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Am 2. September 2026 erklärte seine Anwältin Shahrzad Shahbazi, Abteilung 39 des Obersten Gerichtshofs habe den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens angenommen und den Fall an eine gleichrangige Gerichtsabteilung verwiesen. Die zweite Abteilung des Revolutionsgerichts in Isfahan wies den Antrag jedoch ohne eine neue mündliche Verhandlung zurück.

Am 12. September 2026 wurde Sepahi erneut in eine Einzelzelle zur Vorbereitung der Hinrichtung verlegt. Am 4. Oktober veröffentlichte seine Anwältin eine Audioaufnahme, in der Sepahi während eines Telefongesprächs mit seiner Verlobten Mahshad Keshani religiöse Ehegelübde sprach. Keshani und Sepahis Mutter Somayeh Afshar, die am 10. Januar 2026 gemeinsam mit ihrem Sohn willkürlich festgenommen worden war, verbüßen Berichten zufolge jeweils fünfjährige Haftstrafen.

Mindestens 36 hingerichtete Protestierende seit März

Seit dem 19. März 2026 wurden nach Angaben von Iran Human Rights mindestens 36 Protestierende hingerichtet: 34 im Zusammenhang mit den Protesten vom Dezember 2025 und Januar 2026 sowie zwei im Zusammenhang mit den Protesten „Frau, Leben, Freiheit“. Im selben Zeitraum wurden außerdem 13 politische Gefangene hingerichtet, denen eine Verbindung zu verbotenen oppositionellen Gruppierungen vorgeworfen wurde.

Zu den im Zusammenhang mit den Protesten vom Dezember 2025 und Januar 2026 hingerichteten Personen zählen: Saleh Mohammadi, Saeed Davodi, Mehdi Ghasemi, Amirhossein Hatami, Mohammad Amin Biglari, Shahin Vahedparast Kolor, Ali Fahim, Amir Ali Mir Jafari, Erfan Kiani, Sasan Azadvar, Ebrahim Dolatabadnejad, Mehdi Rasouli, Mohammadreza Miri, Mohammad Abbasi, Abbas Akbari Feizabadi, Ashkan Maleki, Mehrdad Mohammadinia, Fathollah Avari, Javad Zamani, Abolfazl Saedi, Mohammad Amini Dehaghani, Erfan Esfandiari, Gol Mohammad Mohammadi, Mehdi Khanaki, Abolfazl Sepahi Badjani, Amirhossein Safari Hosseinabadi, Shahram Sadeghi, Ghaem Hosseini, Majid Adineh, Ali Hemati-Sistani, Majid Nikandish, Siavash Jamshidi-Kheirabadi, Alireza Sepahi Badjani und Alireza Raisi Hassan Hendouyi.

Mehrab Abdollahzadeh und Aref Khoshkar, zwei Festgenommene der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“, wurden in diesem Zeitraum ebenfalls hingerichtet.

Forderung nach einem sofortigen Hinrichtungsstopp

Mahmood Amiry-Moghaddam, Direktor von Iran Human Rights, warnte, die regelmäßigen Hinrichtungen von Protestierenden würden fortgesetzt, während Hunderte weitere Menschen bereits zum Tode verurteilt seien oder mit Anklagen konfrontiert würden, auf die die Todesstrafe stehe. Er forderte Regierungen mit diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik auf, einen sofortigen Stopp aller Hinrichtungen zur zentralen Forderung zu machen.

Verein für Nothilfe e.V. verurteilt die Hinrichtung von Alireza Sepahi Badjani und Alireza Raisi Hassan Hendouyi. Wir fordern die sofortige Aussetzung sämtlicher Todesurteile, unabhängige Untersuchungen der Foltervorwürfe und faire Verfahren unter Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards.

Die Darstellung stützt sich auf veröffentlichte Berichte von Menschenrechtsorganisationen, Medien und der iranischen Justiz. Einzelne Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Weiterführende Berichte: Iran Human Rights, IranWire, Hana Human Rights Organization