Aufstand in der Todeszelle: 1500 zum Tode Verurteilte im Ghezel-Hesar-Gefängnis im Hungerstreik
Seit drei Tagen verweigern die Gefangenen der Einheit 2 des Ghezel-Hesar-Gefängnisses in Karadsch die Nahrung. Rund 1.500 zum Tode verurteilte Menschen protestieren gegen die Hinrichtungswelle – nachdem mehrere ihrer Mitgefangenen zur Vollstreckung in Einzelzellen verlegt wurden. Menschenrechtsorganisationen fordern sofortiges internationales Handeln.
Ein Streik gegen die Hinrichtungsmaschinerie
Am Montag, dem 13. Juli 2026, wurden mindestens fünf zum Tode verurteilte Gefangene aus der Einheit 2 des Ghezel-Hesar-Gefängnisses in Karadsch zur Vollstreckung ihrer Urteile in Einzelzellen verlegt. Alle waren in Verfahren wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden. Die Antwort ihrer Mitgefangenen kam noch am selben Tag: Die Gefangenen der Einheit 2 traten in einen kollektiven Hungerstreik und Sitzstreik.
Am Mittwoch, dem 15. Juli – dem Tag, an dem die Demonstranten Aref Khoshkar und Mohammad Amini Dehaghani hingerichtet wurden – ging der Protest in den dritten Tag. Die Gefangenen verweigern die Essensrationen und halten handgeschriebene Schilder hoch: „Nein zur Todesstrafe.” Die Gefängnisleitung setzt Störsender ein, um zu verhindern, dass Bilder und Videos des Protests nach draußen gelangen. Dennoch erreichte eine Videobotschaft die Öffentlichkeit, in der die Streikenden die iranische Bevölkerung bitten, ihre Stimme zu sein.
1500 Menschen im Schatten des Galgens
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sitzen allein in der Einheit 2 von Ghezel Hesar rund 1.500 zum Tode verurteilte Gefangene – die überwältigende Mehrheit wegen Drogendelikten. Viele von ihnen sind keine Drahtzieher des Drogenhandels, sondern Menschen, die durch Armut, Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not in diese Spirale gerieten. Einer der Gefangenen brachte es gegenüber Iran Human Rights auf den Punkt: Sie seien Opfer der Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Verhältnisse, die für ein Stück Brot ihr Leben riskieren mussten.
Die Zahlen sind erschütternd: Allein im Jahr 2025 wurden im Iran nach Angaben von Iran Human Rights mindestens 795 Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits mindestens 370 Hinrichtungen dokumentiert – fast ein Drittel davon in Drogenverfahren. Nach ergänzenden Berichten von HRANA ist die Zahl der zuletzt in Ghezel Hesar Hingerichteten auf fünf gestiegen.
Ein Regime, das den Aufstand fürchtet – selbst hinter Gittern
Der Streik von Ghezel Hesar zeigt, wovor das Regime wirklich Angst hat: den kollektiven Widerstand. Bereits im Oktober 2025 hatten die Gefangenen der Einheit 2 mit einem mehrtägigen Hungerstreik
– viele mit zugenähten Lippen – die Behörden gezwungen, Hinrichtungen auszusetzen und sechs Gefangene aus den Einzelzellen zurückzuholen. Es war der größte Gefangenenstreik in der Geschichte der Islamischen Republik. Dass Tausende Todeskandidaten erneut ihr Leben riskieren, um die Hinrichtungsmaschinerie zu stoppen, ist ein Akt des Mutes, der die Angst des Regimes vor seinem eigenen Volk spiegelt: Je größer die Furcht vor dem Aufstand, desto schneller arbeitet der Galgen.
Jetzt handeln – bevor es zu spät ist
Menschenrechtsorganisationen warnen: Ohne sofortigen internationalen Druck droht den in Einzelzellen verlegten Gefangenen die unmittelbare Hinrichtung – und Hunderten weiteren in den kommenden Wochen. Wir schließen uns dieser Forderung an: Die Bundesregierung, die EU und die Vereinten Nationen müssen jetzt handeln. Wir fordern eine internationale Untersuchungsmission mit Zugang zu den iranischen Gefängnissen und Gesprächen mit den streikenden Gefangenen. Die Erfahrung vom Oktober 2025 beweist: Druck wirkt. Solidarität rettet Leben.
Quellen: HRANA, Iran Human Rights (IHR), Iran Human Rights Monitor, Kurdistan Human Rights Network (KHRN), Tribune Zamaneh, Melliun Iran
