Zwei Hinrichtungen an einem Tag: Das Regime im Iran tötet aus Angst vor dem Aufstand
Am 15. Juli 2026 wurden im Iran innerhalb weniger Stunden zwei Demonstranten hingerichtet: Aref Khoshkar, Gefangener der Proteste von 2022, und Mohammad Amini Dehaghani, festgenommen während der Januar-Proteste 2026. Die neue Hinrichtungswelle ist kein Zeichen der Stärke – sie ist die Antwort eines Regimes, das den Aufstand seines eigenen Volkes fürchtet.
Zwei Namen, ein Tag, ein System
Im Morgengrauen des Mittwochs, 15. Juli 2026, wurde Aref Khoshkar im Ghezel-Hesar-Gefängnis in Karadsch hingerichtet. Der 28-Jährige war im November 2022 während der landesweiten Proteste „Frau, Leben, Freiheit” in Teheran festgenommen worden. Ein Revolutionsgericht verurteilte ihn wegen „Moharebeh” (Feindschaft gegen Gott) und der Tötung eines Basidsch-Milizionärs zum Tode. Quellen aus dem Umfeld des Falls berichten, dass seine „Geständnisse” unter Folter erzwungen wurden und ihm ein faires Verfahren sowie der Zugang zu einem Anwalt seiner Wahl verweigert wurden. Seine Familie erfuhr erst Stunden nach der Vollstreckung vom Tod ihres Sohnes.
Nur wenige Stunden später bestätigte die Justiz der Islamischen Republik die heimliche Hinrichtung von Mohammad Amini Dehaghani – der Ort der Vollstreckung wurde nicht einmal bekannt gegeben. Er war am 9. Januar 2026 während der landesweiten Proteste in Dehaghan (Provinz Isfahan) festgenommen und wegen „Moharebeh” und „Verdorbenheit auf Erden” zum Tode verurteilt worden. Die Vorwürfe: Brandanschläge auf das Gouverneursamt und eine Polizeistation. Die „Beweise” stützen sich maßgeblich auf Geständnisse – in einem Justizsystem, das für Folter und Schauprozesse berüchtigt ist.
Eine Hinrichtungswelle aus Angst
Diese beiden Hinrichtungen sind keine Einzelfälle. Nach Angaben von Iran Human Rights (IHR) ist Amini Dehaghani bereits der 21. Demonstrant, der seit März 2026 in Verbindung mit den Januar-Protesten hingerichtet wurde. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, erklärte Mitte Juni, dass der Iran allein seit Jahresbeginn rund 40 Menschen wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit” hingerichtet hat.
Warum diese Eskalation – und warum jetzt? Die Antwort liegt in der Lage des Regimes selbst. Die Islamische Republik steht unter einem Druck, wie sie ihn seit Jahrzehnten nicht erlebt hat: eine kollabierende Wirtschaft, die Massenproteste vom Januar 2026, die das ganze Land erfassten, ein Krieg, der die Schwäche des Systems offengelegt hat – und eine Bevölkerung, die ihre Angst verloren hat. Das Regime weiß, dass der nächste Aufstand jederzeit ausbrechen kann. Der Galgen ist seine Antwort.
Die Hinrichtungen von Demonstranten folgen einer klaren Logik der Abschreckung: Wer auf die Straße geht, soll wissen, dass ihn der Tod erwarten kann. Es ist Staatsterror gegen die eigene Bevölkerung – nicht aus einer Position der Stärke, sondern aus nackter Angst vor dem eigenen Volk.
Der Widerstand lässt sich nicht hinrichten
Doch die Rechnung des Regimes geht nicht auf. Im Ghezel-Hesar-Gefängnis selbst traten die Gefangenen in einen mehrtägigen Hunger- und Sitzstreik gegen die Hinrichtungswelle – mit handgeschriebenen Schildern: „Nein zur Todesstrafe.” Selbst in den Todeszellen wächst der Widerstand.
Wir verurteilen die Hinrichtungen von Aref Khoshkar und Mohammad Amini Dehaghani auf das Schärfste. Todesurteile auf Grundlage erfolterter Geständnisse sind staatliche Morde. Wir fordern die Bundesregierung, die EU und die internationale Gemeinschaft auf, entschieden zu handeln: Jede Hinrichtung eines Demonstranten muss politische und diplomatische Konsequenzen haben. Die Erfahrung zeigt: Internationaler Druck rettet Leben. Schweigen tötet.
Quellen: HRANA, Hengaw, IranWire, BBC Persian, Radio Farda, Iran Human Rights (IHR), Melliun Iran
